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SEITENLEBEN / BUCHMENSCHEN · 2 MIN. · SEITORA REDAKTION

Kommt dir das bekannt vor?

Es gibt diese kleinen Dinge, die beim Lesen passieren. Nicht unbedingt in der Geschichte. Sondern irgendwo zwischen dir, dem Buch und dem Rest der Welt.

„Nur noch ein Kapitel.“

Ein sehr vernünftiger Satz. Überschaubar. Verantwortungsbewusst. Du hast schließlich morgen etwas vor. Leider endet das Kapitel mit einer offenen Tür, einer unerwarteten Nachricht oder genau dem Gespräch, auf das du seit hundert Seiten wartest.

Also noch eins. Der Blick auf die Uhr wird irgendwann zu einer eigenständigen Nebenhandlung.

Du empfiehlst ein Buch und wartest.

Jemand liest auf deinen Tipp hin eine Geschichte, die dir viel bedeutet. Plötzlich möchtest du nach jedem Kapitel fragen, wie es läuft. Du möchtest erklären, warum diese eine Szene so besonders ist. Du möchtest vorwarnen und verrätst natürlich nichts.

Am schwierigsten ist es, einfach zu sagen: „Erzähl mir, wenn du durch bist.“ Und dann wirklich zu warten.

Manche Figuren ziehen aus dem Buch direkt bei dir ein.

Du bist schon zu Hause. Nur im Kopf noch nicht.

Du hast das Buch zugeklappt. In der Küche wartet ein Glas, irgendwo liegt eine Rechnung. Alles ist ganz normal. Trotzdem bist du noch ein bisschen an diesem anderen Ort. Du gehst Sätze durch, stellst dir ein anderes Ende vor oder denkst über eine Entscheidung nach, die nicht deine war.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum wir lesen. Eine Geschichte kann vorbei sein, ohne sofort aufzuhören.

Das nächste Buch ist noch zu früh.

Auf dem Stapel liegen genug Kandidaten. Eigentlich könntest du direkt weiterlesen. Aber nach diesem Ende braucht es erst einmal Luft. Einen Spaziergang. Ein Gespräch. Vielleicht einen Abend, an dem du gar nicht liest.

Auch das gehört dazu. Zwischen zwei Büchern muss keine nahtlose Übergabe stattfinden. Manchmal bleibt ein Platz kurz frei, weil die letzte Geschichte noch ein bisschen Raum braucht.

Du möchtest jemandem einen Satz zeigen.

Nicht weil er besonders klug klingt. Sondern weil du beim Lesen sofort an diese Person gedacht hast. Du markierst die Seite, vergisst es kurz, findest sie später wieder und freust dich noch einmal.

Wenn dir gerade so jemand einfällt: Vielleicht ist heute ein guter Tag, von deinem letzten Buch zu erzählen. Du brauchst dafür keine fertige Rezension. Ein „Das hat mich an dich erinnert“ reicht oft schon.

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